Samstag, 18. Juni 2016

Was ich so alles erlebe

05.06.2016

Tumsifu Yesu Kristo!
So begrüßt man sich hier, wenn man weiß, dass man einen Christen und besonders einen Katholiken sich gegenüber hat. – Aus einer bestimmten Fernsehserie, in der es um Nonnen geht, kennt man diese Begrüßung auch – „Gelobt sei Jesus Christus – in Ewigkeit. Amen“

Ein bisschen seltsam finde ich es schon, wenn ich mir mal bewusst mache, welche Formulierungen ich hier verwende; im Deutschen würde ich niemals jemanden so begrüßen, aber hier ist das einfach Gang und Gebe. Genauso ist es mit Verabschiedungen oder wenn man sich bei jemandem bedanken möchte, dann verwende ich ganz oft „Gott segne dich“ oder sei gesegnet. Nicht nur bei den Schwestern, auch bei den Kindern und bei den Mütter. Wenn ich mal so darüber nachdenke, ist es aber auch irgendwie logisch, weil die Religion für die Menschen einen viel größeren Stellenwert zu haben scheint; gerade im Alltag ist der Unterschied wirklich riesig, verglichen mit deutschen Verhältnissen.

Naja, aber eigentlich wollte ich heute gar nicht so sehr über dieses Thema schreiben sonder Euch vielmehr von meinen vergangen zwei Wochen berichten, die doch recht betriebsam waren:

Nach der Verabschiedung von Mr. Seán bin ich mit ihm, seinem Bruder und ein paar Schwestern nach Arusha gefahren, um dort ein bisschen Arbeit zu erledigen (hab ich vielleicht schon erwähnt). Wie es so oft der Fall ist, sind wir natürlich wider meiner Erwartungen nicht am Montag wieder nach Hause gefahren und auch nicht am Dienstag sondern erst am Donnerstag. Das war aber auch überhaupt nicht schlimm, so hatte ich wenigstens ein bisschen Zeit mal meine ganzen Mails zu beantworten und ein bisschen von dem Schlaf nachzuholen, der mir in den vorangegangen Wochen gefehlt hat.

Am Donnerstag vor einer Woche ging es dann wieder nach Hause und am Freitag dann auch schon wieder ganz normal weiter. Ich habe mich total gefreut wieder zu den Kindern zu gehen und noch viel mehr darüber, wie sie sich gefreut haben mich wieder zu sehen! Jofrey hat mir sogar gesagt, dass er mich vermisst hat und dass er jetzt wieder fröhlich ist und dass er mich lieb hat! – Das war so ungefähr das größte Geschenk! 

Am letzten Sonntag haben wir dann „Corpus Christi“ gefeiert, ich glaube zumindest, dass auf Deutsch so heißt ;-) – Naja, auf jeden Fall gabs nach der Messe wieder eine Prozession, während der sehr, sehr viele Menschen, der Chor und der Kinderchor und die Schwestern und eine Gruppe, die man bei uns vielleicht katholische Landfrauen nennen würde vor dem Priester hergelaufen sind, der die Monstranz mit dem Leib Christ getragen hat. 

Diese Woche war ich dann wieder hochbeschäftigt: In der Schule habe wir für die Kinder Berichte geschrieben. Bericht hört sich zwar nach relativ viel an, war es aber tatsächlich nicht, denn tatsächlich haben die Lehrer nicht mehr als zwei Sätze pro Punkt zustande gebracht und von denen gab es drei…aber trotzdem war es richtig spannend sich zu überlegen, in wie fern sich die einzelnen Kinder in den letzten fünf Monaten verändert haben. Manche haben wirklich tolle Fortschritte gemacht, andere wiederum überhaupt nicht.

Meine zweite Aufgabe war diese Woche die Gestaltung eines Liederbuches für den Chor für die Ewige Profess, die schon übermorgen (am Dienstag) stattfinden wird. 

An diesem Punkt muss ich euch gestehen, dass ich keine Zeit mehr hatte, diesen Bericht weiterzuschreiben, bis heute (Sonntag, eine Woche später).

Ich hab die Zeit der Vorbereitung echt genossen, auch wenn es für mich ziemlich anstrengend und ermüdend war. Sr. Felista, die für die Gestaltung verantwortlich war, ist wirklich super toll! Wir hatten immer wieder richtig viel Spaß zusammen und haben einfach unglaublich viel rumgealbert und Quatsch gemacht. 

Am Montag vor der Profess war dann Großkampftag für wirklich alle von uns. Debora und ich waren dem Dekorationsteam der Schulhalle zugeteilt. Die hauptverantwortliche Schwester (Florentina) hat mich nach dem Frühstück aus der Küche vom Abwasch geholt und nur gemeint „komm schnell, wir müssen los, außer uns ist niemand da, der das Putzen überwacht“.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir erst mal noch die ganze Halle putzen müssen. Gott sei Dank haben wir Hilfe von ca. 20 verbleibenden Schülerinnen bekommen, sonst hätten wir das niemals geschafft. In der Halle wird normalerweise gegessen und so mussten wir erstmal alle Tische und Bänke raustragen, die Türen und Fenster putzen, den Boden fegen und aufwischen und dann auch noch alle Stühle putzen, die für den nächsten Tag benötigten und dann auch die Halle bestuhlen.

Nach ganzen drei Stunden war das dann endlich erledigt und ich schon etwas erschöpft. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging dann das Dekorieren los. Oder besser gesagt wurde ich erst einmal zum Tischdecke bügeln geschickt. Nach diesem Kraftakt war meine Energie noch mehr zurückgegangen, weil 8-10m dicken weißen Baumwollstoff auf einem handelsüblichen Bügelbrett zu bügeln ist irgendwie doch nicht so ganz einfach, und dann soll es auch noch so schön sein, dass man das Tuch auf den Tisch für die ganz wichtigen Leute legen kann….. Naja, danach ging es dann wirklich los!

Wir behängten den Bühnenrand mit einem Tuch und steckten mit Sicherheitsnadel aufwendige Faltungen, die Tische für die drei Schwestern wurden vorbereitet, an denen sie mit ihren Eltern sitzen sollten, der sog. „Hightable“ – der Tisch für die ganz wichtigen Leute wurde dekoriert und die Schülerinnen übernahmen die Dekoration des Bühnen-hintergrundes.

Auf dem Bühnenrand befestigten wir breites Geschenkband, das wir in „Wellen“ steckten… - ich sage euch, meine Finger waren relativ tot ;-)

Irgendwann machten wir mit Klebeband weiter, weil uns die Stecknadeln ausgingen (die sind die Grundlage jeder Deko) und das obwohl wir bestimmt 500g davon hatten – ich will nicht wissen, wie viele das als absolute Zahl waren…. 

Abends, gegen 17:30Uhr war das Werk dann auch vorerst vollbracht und ich bin todmüde nach Hause unter die Dusche und anschließend zum Gebet.

Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker dann auch schon um 5:45; ich zog mich an, machte mich schön, frühstückte und ging wieder in die Halle zum Ballons aufpusten und aufhängen.

Um kurz nach 8 waren wir auch damit fertig und nach meiner dritten Tasse Kaffee ging ich ins Konvent um dort noch ein bisschen beim Frühstück für die Gäste zu helfen (ganz ehrlich, manche haben so eine Sauerei auf dem Tisch hinterlassen, das war echt nicht mehr schön).

Eigentlich sollte die Prozession um 9:00Uhr beginnen, aber tatsächlich war es glaub ich so 9:45.
Und dann ging die große Feierlichkeit los!  - Aber der Bericht darüber kommt dann im Rundbrief und einen sehr ausführlicher Bericht findet Ihr auf Englisch hier ;-) 

Jetzt habe ich unglaublich viel geschrieben, es passt aber auch zu dem, was grade so los war. J
Ich sende euch ganz viele liebe Grüße ins hoffentlich warme Deutschland aus dem kalten Tansania!

Eure FranziP.S.: Jetzt sind es noch genau 2 (in Worten ZWEI!!!) Monate!!!

 

Donnerstag, 26. Mai 2016

Neues im Mai

22.05.2016

Hallo ihr Lieben!
 
Ich möchte Euch heute von einem ganz besonderen Menschen erzählen, in meinen Briefen und den übrigen Posts habe ich ihn vielleicht einmal erwähnt…
Dieser Jemand ist Mr. Seán. Er ist der Bruder unserer Provinzoberin Sr. Mary. Mr. Seán fliegt Mitte nächster Woche zurück nach Irland, vermutlich für immer. Er hat 42 Jahre lang in Afrika gelebt und gearbeitet; Er war sieben Jahre in Sambia, 14 Jahre in Botswana und nun 21 Jahre in Tansania, um genau zu sein war er an Pallotti, in Siuyu.
Die Pallottinerinnen kamen im Juni 1990 in Tansania an und sollten dann eine Mädchen-Secondary School aufbauen. Sr. Mary hat das in den zahlreichen Veranstaltungen der letzten Woche immer wieder eindrücklich beschrieben. Sie erzählte, dass sie große Angst hatte, weil selbst 1. Kaum unterrichtet hatte und außerdem keinen Plan hatte, wie man eine Schule führt. Also griff sie auf ihren älteren Bruder zurück, der gerade in Botswana seinen Dienst beendet hatte und sie fragte ihn, ob er kommen könne um ihr zu helfen die Schule aufzubauen.
So kam es dann auch, Mr. Seán kam nach Siuyu und fand nicht gerade viel vor. Es gab vier Klassenzimmer und ein kleines Büro, aber weder Schlafsäle noch einen Speisesaal. Die Klassenzimmer wurden einfach umfunktioniert. Mr. Seán selbst meinte, dass er nie geplant hatte, so lange zu bleiben, aber die Jahre zogen nun einfach so dahin. Inzwischen ist Pallotti wirklich ein eigener Name und genießt einen ziemlich guten Ruf und schneidet auch im Vergleich unter Schulen immer sehr gut ab. Mittlerweile werden knapp 500 Mädchen unterrichtet, bis zur 10. Klasse sind es um die 100 Mädels pro Jahrgang und für die zwei letzten Jahre bis zum Abi sind es dann nur noch ca. 50, die in zwei Klassen (Artsprofil  und Scienceprofil) unterrichtet werden.
Mr. Seán ist jetzt leider gezwungen, nach Irland zurück zu gehen, weil er krank ist und eine bessere medizinische Versorgung braucht (er ist jetzt auch schon 70). Letzte Woche Sonntag wurde Mr. Seán in der Schule offiziell verabschiedet. Die Schülerinnen, Lehrer und auch Ehemalige waren da und haben ein wirklich schönes und unheimlich ergreifendes Programm auf die Beine gestellt. Ein Lehrer hat beschrieben, wie gut er sich in die Gemeinschaft eingefügt hat und die Ehemaligen haben sich an seine „Spezialitäten“ erinnert. Was ich auch wirklich beeindruckend fand war die Tatsache, dass nahezu alle Schwestern von ihm unterrichtet worden waren (ausgenommen drei)!
Mich hat die Stimmung wirklich total ergriffen; die Schülerinnen haben geweint, die Schwestern haben geweint und ich auch ein bisschen ;-) :-D
Am Mittwoch haben wir ihn dann im Konvent verabschiedet, mit einem Festessen und einem netten Programm und vielen Rede. Für die Schwestern ist er ihr „Mjomba“ – das bedeutet der Bruder der Mutter. Und das scheint er für sie alle auch wirklich zu sein.
Den Erzählungen nach zu urteilen, scheint er ein wirklich, wirklich toller Mensch und sehr guter Lehrer zu sein. Es wurde immer wieder erzählt, wie zuverlässig und gutmütig er war, wie er den ganzen Laden im Griff hatte, wie er alles immer pünktlich fertig stellte und die Lehrer an ihre Verantwortung erinnerte. Viele sagten auch, dass er sie immer ermutigt hat, weiter zu kämpfen und nicht aufzugeben, auch wenn es schwierig ist.
 
Alles in allem wird er wohl eine sehr große Lücke hinterlassen und niemand kann sich so richtig vorstellen, wie Pallotti ohne ihn wird. Alle scheinen Mr. Seán mit Pallotti zu verbinden. Sogar die Eltern von Schülerinnen und Schwestern erinnern sich sehr an Begegnungen mit ihm. Er war auch immer auf Beerdigungen, wenn ein Familienmitglied eines anderen Lehrers oder einer Schwester starb. Als das, was ich so über ihn gehört habe, hat mich echt beeindruckt und ich ziehe wirklich meinen Hut vor ihm. Er hat wahnsinnig viel dazu beigetragen „den Kindern von Afrika“ (Zitat einer Schwester) Bildung und somit den Schlüssel zu einer besseren Zukunft zu bringen.
So, das war jetzt ein bisschen arg sentimental, aber das bin ich ehrlich gesagt auch grade. Ich sitze gerade bei den Schwestern in Arusha auf meinem Bett. Sr. Mary hat mich gebeten sie und ihre Brüder zu begleiten, weil wir noch ein bisschen Arbeit fertig machen mussten. Sie fliegt heute Abend nach Europa und ich muss mich nun tatsächlich ganz von ihr verabschieden, weil sie erst wieder zurück kommt wenn wir schon wieder zu Hause sind. Das macht mich schon ziemlich traurig, weil ich im Moment wieder sehr, sehr glücklich hier bin und all diese lieben Menschen nur ungern zurücklassen will.
Aber das gehört nun einmal dazu ;-)
Ich versuche euch ein paar Bilder in die Galerie zu stellen. Von Mr. Seán, unseren Feierlichkeiten und den letzten Tagen ;-)
Ganz viele liebe Grüße aus dem kalten Tansania (ja, im Ernst, es ist echt kalt und ich habe kalte Füße und habe mich in meine Decke eingekuschelt. Es war extrem naiv zu denken, dass es in Tansania nicht auch kalt werden könnte… :-D)
Eure Franzi J
 

Montag, 9. Mai 2016

Besuch von lieben Freunden und Anderes

08.05.2016


Hallo meine lieben Blogleser!
Mein letzter Post war über die Beerdigung in Bashnet. Zeitlich gesehen kommt jetzt Ostern, ich habe aber Ostern so ausführlich im Rundbrief Nr. 7 beschrieben, dass ich das hier nicht nochmal machen möchte. Den Rundbrief findet ihr auch hier auf diesem Blog.

Am Ostersonntag kamen dann zwei von Deboras Schwestern zu Besuch aus Deutschland, am Dienstag nach Ostern traf Debora dann mit ihnen hier in Siuyu ein.
Wir hatten eine gute Zeit gemeinsam und gerade für Debora war es wirklich schön, ihnen alles zeigen zu können und viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Nach knapp drei Wochen ging es für die beiden wieder zurück nach Deutschland und zwei Tage später kam meine Freundin Amelie und ihre Partnerin für zwei Tage zu Besuch. Wir haben Amelie im Dezember besucht und ich habe das Wochenende mit ihr richtig genossen! Es tat mir richtig gut, mal wieder mit ihr zu sprechen, über unsere Freunde zu Hause zu quatschen und was mich so bewegt. Es ist schon schön, wenn man zwischen drin mal noch jemand anderen zum Sprechen hat.
Amelie und Lisa kamen am Samstag bei uns an und erlebten sofort eine Graduation à la Pallotti. Im Moment finden die Abiturprüfungen statt und die Mädels sind ziemlich am Schuften. Die Klasse mit Gesellschaftswissenschaften und Sprache sind nun fertig, der Naturwissenschaftliche Zug muss noch bis nächsten Mittwoch weitermachen, sie haben in Bio, Chemie und Physik auch praktische Prüfungen.
Das sind die aktuellen Geschehnisse dieser letzten Wochen.
Ich habe gerade durch meine bereits geschriebenen Posts geschaut und einen der allerersten gefunden, den ich noch vor meiner Ausreise gefunden habe. Da habe ich geschrieben, was Mission für mich bedeutet und auch ein kleines Gedicht beigefügt.
Ich habe immer gesagt, dass ich meinen Glauben leben will, aber wenn ich ganz ehrlich bin, war mir selbst nie so ganz klar, wie man das eigentlich macht. Jetzt habe ich eine Antwort gefunden: Es ist einfach Liebe. Wir kennen alle das Gebot der Nächstenliebe.
 „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Und dazu kommt noch eine andere Stelle aus der Bibel, in der Jesus sagt: „ Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25:40). Wir sollen Gott und Jesus lieben, und in dem wir ihn in unseren Mitmenschen sehen und diese lieben, so lieben wir auch Gott. – Das ist die Antwort, die ich für mich gefunden habe.
Davon abgesehen nehme ich mir jetzt das Gleichnis von den Talenten ziemlich zu Herzen. Wir  haben in unserer Vorbereitung schon darüber gesprochen; die Essenz dieses Gleichnisses ist, dass wir die Talente, die uns von Gott gegeben wurden einsetzten sollen, wenn wir dies tun, dann wird uns noch mehr gegeben.
Ich habe das in meiner Liebe zu meiner Arbeit und den Kindern gespürt. Meine Liebe zu ihnen wächst und wächst und wächst und an den meisten Tagen habe ich echt eine Engelsgeduld. Ich wundere mich immer wieder selbst darüber, dass mir der Kragen nicht schon geplatzt ist, aber es scheint, als sei diese Liebe eines meiner Talente. Und ich bin auch davon überzeugt, dass es Gott ist, der mir diese Liebe schenkt und dass er will, dass ich sie an meine Mitmenschen hier weitergebe, er liebt sie sozusagen durch mich.
Ich würde sagen, dass das die Kraft ist, die mich antreibt J
Ich hoffe, dass es Euch allen gut geht, dass der Frühling jetzt dann endgültig angebrochen ist und auch der Sommer nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt! Bei uns wird es jetzt zusehends kälter… meine Fleece Jacke kommt fast jeden Morgen zum Einsatz.
Ganz viele liebe Grüße aus Siuyu,
Eure Franzi J

Sonntag, 27. März 2016

FROHE OSTERN - Besuch in Ilongero

27.03.2016


FROHE OSTERN!!! HERI YA SIKU KUU YA PASAKA!!!
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen ein frohes Osterfest und ich hoffe sehr, dass ihr die Auferstehung Jesu auch gebührend feiert!
Ich schreibe diesen  Artikel schon am Palmsonntag, weil ich gerade ein bisschen Zeit habe und ich hoffe, dass ihr ihn dann auch pünktlich an Ostern lesen könnt!
In der vergangenen Woche war so einiges los und daran will ich Euch chronologisch teilhaben lassen. Also der Bericht über Ostern wird dann auch erst einige Wochen nach Ostern erscheinen, aber in meinem Rundbrief Anfang April werde ich auf jeden Fall schon mal über Ostern berichten. 
Heute geht es erstmal um einen Ausflug, den wir am Mittwoch, 16.3., gemacht haben.
Sr. Rosy, die unsere „Arbeitschefin“ ist, hat uns eingeladen, mit ihr, Fr. Tom, Fr. Alan, Sr. Secilia  und einem Mädchen aus dem Centre nach Ilongero zu fahren. Ilongero ist eine kleine Gemeinde, auf der anderen Seite von Singida und bei den momentanen Straßenverhältnissen in ca. 1 ½ Stunden zu erreichen (Nach den starken Regenfällen in den letzten Monaten sind die nicht asphaltierten Straßen ein echter Alptraum und oft fährt man auch nicht mehr auf der eigentlichen Straße sondern neben dran). Die Abfahrt war auf 10:30 Uhr angesetzt und wir, angepasst an hiesige Verhältnisse, haben uns nicht wirklich beeilt und sind ganz gemütlich um 10:31Uhr im Centre eigetrudelt, wo alle schon im Auto saßen, der Motor lief schon und alle warteten nur auf uns – Das ist definitiv noch nie passiert! :D Normalerweise fahren wir min. 20 Minuten nach der geplanten Zeit weg, da waren wir dann doch ernsthaft überrascht und Sr. Rosy meinte so: „Wir sind heute extra in deutscher Zeit und warten auf die deutschen Mädels“ J
Dann ging also die Fahrt los, kurz vor Singida wurden wir dann von der Polizei angehalten, weil wir zwei Leute zu viel im Auto waren. Erst meinte der Polizist wir sollten bezahlen, dann sind unsere Priester ausgestiegen und haben angefangen irgendetwas mit dem Polizisten zu besprechen und nach 5 min. durften wir dann weiterfahren ohne dass irgendwas passiert war :-)
In Ilongero angekommen wurden wir schon sehnlichst erwartet! Dort ist auch ein Centre, aber für junge Erwachsene, die zu alt sind für unseres. Dort lernen sie zu nähen und schreinern. Fr. Tom war dort vor vielen Jahren Gemeindepriester und hat sich sehr für dieses Centre eingesetzt und maßgeblich zu dessen Aufbau beigetragen. Erst anschließend kam er nach Siuyu und baute unser Centre für die Kleinen auf. Im Moment leben dort 23 junge Erwachsene, Kinder kann man sie wirklich nicht mehr nennen, ich würde sagen, die jüngsten sind so alt wie ich. Fast alle waren früher bei uns in Siuyu und wurden dann dort hin vermittelt. Die meisten haben geistige Behinderungen, manche sind auch körperlich beeinträchtigt, eigentlich eine ganz ähnliche Struktur wie bei uns auch.
Das Centre wir auch von einer Schwester geführt, aber nicht von einer Pallottinerin. Die meisten der Lehrerinnen und Angestellten dort haben auch ein Handicap. Um Geld zu verdienen, gibt es dort, wie ich finde, in echt gutes Projekt: Es wird Baumwollgarn gekauft und von einer externen Person dort auf einem Webstuhl zu großen Stoffbahnen gewoben. Anschließend können Frauen aus dem Dorf kommen (viele mit kleinen Kindern oder auch Frauen mit Behinderung) und den Stoff zu Taschen, Tischdecken usw. weiterverarbeiten. Sie werden nach Stückzahlen bezahlt und jede kann so viel arbeiten wie sie will. Nach dem Nähen werden die Stücke auch noch bestickt. Wir haben beispielsweise als Gastgeschenke eine Stofftasche mit zwei Elefanten bekommen- wirklich total schön! Die Verantwortliche versucht die Ware dann zu vertreiben, beispielsweise werden einige Sachen in einen Nationalpark gebracht und dann dort verkauft. 
Die Menschen haben sich unheimlich über unseren Besuch gefreut! Besonders aber über Father Tom! Er hat sich vor 1 ½ Jahren die Hüfte gebrochen und ist seither wirklich sehr eingeschränkt und konnte seither keinen Besuch dort tätigen. Die Wiedersehensfreude war unbeschreiblich groß, weil er für die Leute dort genauso wie für unsere Kinder ihr „babu“ – also ihr Opa ist. Und diese Liebe war einfach greifbar. Ein Mädchen hat erzählt, dass sie ihm so viel verdankt: Er hat immer dafür gesorgt, dass sie nach den Ferien wieder ins Centre kommt und als er im Krankenhaus lag, sah es so aus, als könnte sie nicht wieder zurück, weil sie von ihren Eltern so vernachlässigt wurde. Father Tom hat dann mit ihrem Onkel Kontakt aufgenommen und dieser war bereit sie dort hin zu bringen. Als sie das erzählt hat, hatten die Frauen um mich rum Tränen in den Augen, was ich hier bisher noch nicht gesehen habe! Sr. Rosy und eine der Lehrerinnen waren  wirklich überwältigt (ich habe leider nicht alles verstanden, weil sie sehr undeutlich gesprochen hat, aber das war die Zusammenfassung, die ich bekommen habe).
Wir wurden verwöhnt mit einem wahren Festessen (die Fastenzeit wurde mal für einen Tag ausgesetzt), es gab Suppe, Reis, Nudeln, „Pommes“, Fleisch, super leckeres Gemüse, Obst (- Birnen!!!) und Kuchen, es war ein Traum und ich war so voll, dass ich abends fast nichts mehr gegessen habe.
Anschließend haben sich alle vorgestellt und es wurden wie üblich ein paar Reden gehalten. Und es wurde auch für uns gesungen. Anschließend wurden wir ein bisschen rumgeführt und haben gaaaaaaanz viele Fotos gemacht.
Gegen 16:30Uhr machten wir uns auf den Heimweg mit der Zeit im Nacken, weil wir alle um 18:00Uhr zu unserer Community Messe wieder zurück sein mussten, was wir dieses Mal aber nur in tansanischer Zeit geschafft haben (also wir waren ein bisschen zu spät). J
Es war ein wirklich besonderer Tag und es war super toll zu sehen, was mit vielen unserer Kinder passiert, wenn sie uns verlassen und zu wissen, dass sie wirklich gut aufgehoben sind! Und ich habe den Unterscheid bei den Kindern doch deutlich gemerkt; altersmäßig liegen in manchen Fällen bestimmt 10 Jahre zwischen den Kindern. Und es ist einfach ein anderes Gefühl, wenn dir jemand um den Hals fällt, der genauso groß ist wie du im Gegensatz zu einem Kind, das mit vielleicht bis zur Brust geht – es ist ein gutes Gefühl! J
Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr genießt die freien Tage über Ostern, wie ich Ostern hier verbringen werde weiß ich noch nicht genau, ich lasse mich überraschen. J
Palmsonntag haben wir heute ganz feierlich mit einer schönen Prozession bestritten, mit unglaublich vielen Leuten! Bei solchen Anlässen sieht man dann wieder, wie viele Menschen eigentlich in Siuyu und der Umgebung leben, das traut man dem Örtchen gar nicht zu, es sind definitiv viel mehr als die 400, die ich mal als Schätzung bekommen habe! 
Viele liebe österliche Grüße aus der Hitze Siuyus!
Eure Franzi J

Mitte März und kurz vor Ostern

16.03.2016


Hallöchen meine lieben Blogleser,
es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich mich nicht bei euch gemeldet habe, das tut mir echt leid! Die Zeit fliegt einfach so an mir vorüber, so sehr viel Außergewöhnliches ist eigentlich auch nicht passiert und ich bin definitiv voll und ganz im Alltag angekommen.
Aber dank der Kinder ist kein Tag wie der andere! Seit zwei Wochen ist eine unserer Lehrerinnen nicht da, das bedeutet für mich Dauereinsatz in unserer dritten Klasse. Seit Ende letzter Woche fehlt jetzt auch noch unser „Cheflehrer“…das bedeutet, dass wir ein Lehrer, eine Mama und ich sind. Der Lehrer und die Mama zähmen die Rasselbande aus der ersten Klasse und ich renne zwischen Klassenzimmer zwei und drei hin und her und beschäftige die Kinder so gut es geht.
Ganz befriedigend ist die Situation für mich nicht, da ich mir für niemanden so richtig Zeit nehmen kann, Wenn ich nur eine der Klassen habe, geht das schon besser, weil in denen nicht mehr als sieben Kinder sind, aber so ist das natürlich wesentlich schwieriger.
„Meine Kinder“ sind natürlich auch nicht blöd, wenn sie keine Lust zum Arbeiten haben, dann fragen sie ob sie auf Klo dürfen und da bleiben sie dann auch erstmal eine ganze Weile. Da ich zwischen den Klassen pendle, kann ich nicht so ganz kontrollieren, wie lange ein Kind aus dem anderen Zimmer fehlt, das ist natürlich ein bisschen blöd, aber gut, ich kann es nicht ändern.
Das für mich Beruhigende ist, dass ich mir eigentlich keinen Stress zu machen brauche, da alles was ich mache und alles was die Kinder machen besser als nichts ist und wäre ich nicht da, würden sie vermutlich nichts machen oder zumindest viel weniger. Und dann stelle ich auch immer wieder fest, dass das Verantwortungsbewusstsein doch sehr unterschiedlich ist. Und das ist ein Punkt, bei dem ich mir immer wieder selbst vor Augen führen muss, dass ich mich manchmal ein bisschen zu verantwortlich fühle. Ich habe schon manches Mal die Erfahrung gemacht und auch unsere deutsche Schwester erzählt immer wieder davon, dass es immer wieder Lehrer gibt, die sich zu wenig verantwortlich fühlen. Unser „Cheflehrer“ beispielsweise verschwindet eigentlich täglich für eine knappe Stunde zu seiner Teepause. Teepausen sind hier aber an sich ganz normal, weil meistens nicht gefrühstückt wird; also im Prinzip berechtigt, dass er geht aber wenn man bedenkt, dass wir ja nur drei Stunden in der Schule sind, ist es doch etwas, was uns als Deutsche, oder zumindest mir, schwer fällt, nachzuvollziehen. Vor einigen Wochen war ich dann auf einmal mit den ganzen Kindern alleine draußen und war dezent überfordert, weil sie mir leider auf der Nase herumgetanzt sind. Ich habe das abends Sr. Rosy erzählt und widererwartend war sie richtig sauer auf den Lehrer und hat schon überlegt, mich aus der Schule zu nehmen aber dann hat sie am nächsten Tag mit dem Lehrer gesprochen und seitdem fragt er mich immer, ob er gehen kann und ob ich mit will. Er scheint auf jeden Fall gelernt zu haben und ich habe mich echt gefreut, dass sich Sr. Rosy gleich um die Sache gekümmert hat! 
Ansonsten befinden wir uns ja gerade in der Fastenzeit, naja gut, wir haben nächste Woche Ostern, also sind wir jetzt schon eher am Ende angelangt. In den letzten drei Wochen hatten die Schwestern an zwei Sonntagen einen sog. „recollectionday“.  Jede Schwester sollte einen solchen Tag einmal im Monat machen. An diesem Tag (eigentlich immer Sonntag) widmet sie sich dann ganz dem Gebet und der Meditation und verbringt diesen dann auch schweigend. Immer wieder gibt es solche Tage dann auch für die Gemeinschaft. Im Juni findet in Rom das Generalkapitel statt (alle Provinzoberinnen und Abgesandte der jeweiligen Provinzen setzten sich für drei Wochen zusammen und arbeiten dann gemeinsam). Im Zuge dessen, gibt es einen schönen Flyer mit Gebeten und Meditationen, mit denen sich jede Gemeinschaft auf das Generalkapitel vorbereiten soll. Da unsere Flyer geschlagenen 6 Monate gebraucht haben um anzukommen, sind die Schwestern jetzt ziemlich hinterher und müssen ihre Meditationen aufholen. Das ist schon eine interessante Erfahrung, wenn man mit gut 20 Menschen in einem Raum sitzt und man hört nur die Gabeln auf den Tellern kratzen und wenn man sich begegnet, dann kann man sich wirklich in nonverbaler Kommunikation üben. Aber spätestens beim Spülen wird dann doch ein klein bisschen im Flüsterton kommuniziert, wie und wo man jetzt abspült.
Ach, das habe ich noch gar nicht erzählt: Seit drei Wochen befinden wir uns mit unserem Esszimmer im Exil. Man hört ja immer wieder von Kakerlakenplagen, um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung wie diese Viecher aussehen und war höchst erstaunt, dass das diese kleinen Tierchen sind, die mich manchmal beim Öffnen des Geschirrschrankes anschauen. Auf jeden Fall hat die Zahl wohl stark zugenommen (wie in den letzten 25 Jahren noch nie) und unsere Hausoberin (Mama mkuu) hatte die Nase voll. Erst haben wir die Schränke ausgeräumt und sauber gemacht und hatten alles Geschirr im Esszimmer stehen, aber als die Geschichte nach einmal Gift sprühen nicht erledigt war, mussten wir ausziehen. Und zwar wirklich alle und alles. Die Küche war unbenutzbar und die ersten Tagen waren eine reine Schatzsuche, wenn man die Salatschüssel oder einen Kochdeckel gesucht hat.
Unsere Köchinnen hatten am meisten zu leiden, weil sie nur noch draußen auf den Kohleöfchen kochen konnten und das Brot wurde bei den Postulantinnen gebacken, aber deren Ofen ist nicht so wirklich gut…. Naja, es war spannend und der Weg in unser Esszimmer-Exil mit den Töpfen auch leider ein bisschen weit. Wenn der Weg nicht wäre, würden die meisten viel lieber in diesem Raum bleiben. Er ist wirklich total schön (okay, er wurde erst letztes Jahr im Juni zum Jubiläum umgebaut) und groß… Seit einer Woche ist die Küche wieder in Betrieb und langsam wird alles gewaschen und wieder eingeräumt, in der Hoffnung, dass wir den Kampf gewonnen haben (aber gut, da die Dinger sogar im Toaster und in der Mikrowelle leben, wundert mich auch nicht mehr viel) J
Abschließend würde ich sagen, dass das Theater, das bei uns um diese Tiere gemacht wird, viel größer ist als angebracht, mich erinnert das eher an das Problem, das wir zu Hause manchmal mit Motten hatten. Es ist wie mit Malaria, da wird ein viel größerer Hype darum gemacht, als meiner Meinung nach wirklich angebracht…. 

Jetzt wünsche ich euch eine schöne letzte Woche bis Ostern und hoffe, dass es Euch allen gut geht und ihr Ostern wirklich so richtig genießen könnt! J
Viele Grüße aus 30°C mit leider nur noch wenig Regen….
Eure Franzi